Vorlage – 23-22371
Die SPD-Fraktion beantragt Beschluss über die Aufstellung einer zeitgemäße Fahrradabstellanlage nahe Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK) und Zimtschnecke, um den Besucher*innen/Nutzer*innen eine versicherungsrechtlich saubere Möglichkeit zu eröffnen, ihre Fahrräder abzustellen und anzuschließen.
Stärkung von ÖPNV, Fuß- und Fahrradverkehr gehören ja zu meinen Herzensangelegenheiten, so dass ich zunächst einmal jeder Verbesserung in dieser Richtung begrüße.
Aber: Gut gemeint … Wir haben ja in der Weststadt auch einige neue Fahrradabstellanlagen, die nicht funktionieren, weil am tatsächlichen Bedarf vorbeigeplant:
Ecke Saalestraße, Elbestraße hier
Dort steht bestenfalls gelegentlich mal ein einzelnes Fahrrad, während die Abstellanlage auf der gegenüberliegenden Seite der Elbestraße gut besucht ist. Habe ich bisher keine sinnvolle Hypothese zu.
Am KJZ ROTATION
Dort gibt es 2 Fahrradständer-Anlagen. Die Einrichtung einer Fahrradabstellanlage hatte ich damals (indirekter Zusammenhang mit dem Lastenlöwenstandort dort) veranlasst. Zunächst war unklar, welche Behörde eigentlich zuständig ist, eine ganze Weile ging es gar nicht voran, und dann schwupps – hatten wir gleich 2 Fahrradabstellanlagen dort.
- Die nahe am Haupteingang an der Emsstraße, deutlich weniger als 10m vom Haupteingang entfernt, ist erwartungsgemäß gut genutzt
- Die Abstellanlage an der Elbestraße, 15 … 20 m vom Haupteingang entfernt, erwartungsgemäß kaum. Gelegentlich mal ein Fahrrad …
Radfahrer•innen möchten ihr Fahrrad möglichst in der Regel nah am Ziel abstellen. Ich denke mal, ich selbst nehme eine Abstellanlage, die nicht deutlich unter 10m von der Eingangstür entfernt ist, nicht mehr als Ziele-zugehörig wahr. Bei manchen Angelegenheiten wie beispielsweise Bahnreisen ist das (wohl für alle) anders, da erwarte ich nicht, dass ich mein Fahrrad 5m vor der ICE-Tür abschließen kann. aber wenn ich zum Bäcker fahre … Zielnähe ist also wichtig.
Und dann natürlich noch die
Fahrradabstellanlage bei Donaustraße 41
Zielpublikum sind sicher hauptsächlich Einkäufer•innen bei Wespol und Donaugrill. Fußweg von dort bis zum Einkaufsziel 50-70 m. Das ist völlig praxisfremd. Ich habe damals bei Wespol einige Rad-fahrende Kundinnen nach ihrem Einkauf interviewt. Die bestätigten meine Einschätzung. Viel zu weit weg, die meisten hatten die Abstellanlage bis dahin noch gar nicht bemerkt. Und auch nach dem Interview wollten sie lieber direkt vor dem Laden das auf dem wackeligen eigen Ständer stehende Rad mit Einkäufen und Kind beladen, als zukünftig die Fahrradabstellanlage zu nutzen. Und so bleibt die Auslastung dieser Anlage irgendwo im oberen ppm-Bereich.
Und nun also
Geplante Fahrradabstellanlage Alsterplatz
Hier erst mal die Frage ähnlich wie bei Donaustraße:
Ist es wirklich Aufgabe der Stadt, für die Gewerbebetriebe Fahrradabstellmöglichkeiten vorzusehen?
Ein wenig vielleicht schon. Beispiel wieder Donaustr. 41 und beispielsweise auch Ladenzeile an der Isarstraße: Auch dort parken die Kunden ja auf von der Stadt BS bereitgestellten Autoparkplätzen. Aber das ist halt sicher auch ein wenig historisch bedingt. Sah man früher halt so. <😉>Überall! Bürger kauft sich eine 3000 l Kühltruhe und ein Pferd, muss die Gesellschaft halt zusehen, dass er einen Kühltruhenraum, Pferdeweide, Pferdestall vor die Tür bekommt. Gleiches beim Autokauf</😉>. Mittelfristig scheint es mir aber sinnvoller, solche Abstellanlagen für die Geschäftsbetriebe zwar zu fördern, um die Verkehrswende voran zu bringen, aber nicht vollständig durch die Stadt bezahlen zu lassen.
Und wie sieht es mit der zu erwartenden Akzeptanz durch die Nutzer aus? Entfernung, noch nicht ganz abschließend ermittelt, zur BLSK-Schalterhalle gut 20m. Nach bisherigen Erfahrungen eher zu weit. Und meine Schwiegermutter ist Kundin dort. Knapp 90. Nicht mehr mit dem Rad unterwegs. Hat die BLSK eigentlich viel radfahrende Kundschaft?
Zur Zimtschnecke sind es dann noch ein paar Meter mehr.Ich denke nach den bisherigen Erfahrungen nicht, dass eine größere Anzahl Zimtschneckengästen die geplante Fahrradabstellanlage tatsächlich nutzen würde.
Und zur BLSK Automatenhalle sind es dann schon ca 60m, Fahrschule, NiWo-Büro etec. noch weiter. Sehr illusorisch, dass Kunden den angedachten Fahrradständer nutzen würden. Schon gar nicht, wenn sie aus Richtung Tauberweg, Emscherstraße etc. kommen.
(Entfernungen: nicht gemessen, nur abgeschritten).
Insgesamt hat meine Besichtigung dort meine Ansicht bestärkt, dass Fahrradabstellanlagen direkt an den Eingängen der Kundenziele deutlich sinnvoller – weil erfahrungsgemäß wahrscheinlich eher angenommen – als die derzeit vorgeschlagene zentrale wäre. Ich finde, man sollte da tatsächlich mit den Gewerbetreibenden in Kontakt treten. Gut wären m.E. Gemeinschafts-Fahradabstellanlagen jeweils für benachbarte Radfahrer•innen-Ziele. Beispielsweise zwischen BSLK-Schalterhalle und Zimtschnecke.
Vielleicht erst mal mit den „Flundern“ optimalen Standort ermitteln?
Sonst noch was?
Zum Abschluss: Was genau heißt eigentlich „versicherungsrechtlich saubere Möglichkeit“? Welches Problem soll damit genau gelöst werden? Habe bisher nur wenig recherchiert, fand hier „Das Bike muss in der Regel an einem fest verankerten Gegenstand angeschlossen sein.“
Noch etwas Lesestoff:
- ADFC: „Die Rad fahrende Kundschaft von Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungsbetrieben legt meist Wert auf sichere Fahrradabstellmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Ladenlokal.“
- EUROPA-Versicherung: „Anschließen statt Abschließen“
- blog.friendsurance.de: Wie man den Versicherungsanspruch geltend macht



