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Haben Sie noch ein kostenloses E-Mail-Konto, möglicherweise sogar bei den groÃen US-Tech-Konzernen? Das ist schlecht, denn einerseits sind Mailkonten der Schlüssel zu vielen weiteren Diensten im Netz. Und andererseits verkaufen viele Gratis-Anbieter die Inhalte der Mailboxen an Werbekunden. So werden die Gratis-Dienste finanziert â selbst wenn Nutzer selbst in der Regel keine Werbung durch den Anbieter zu sehen bekommen. Ein separates Thema sind Ermittlungsbehörden wie BKA oder FBI, die im Rahmen von Ermittlungen ungefragt auf solche Mailkonten zugreifen können.
Die einzige sinnvolle Möglichkeit, sich hiervor zu schützen, ist entweder das aufwendige Hosten eines eigenen E-Mail-Servers â oder die Auswahl eines Anbieters, der Wert auf Datenschutz und Verschlüsselung legt.
Tuta Mail: Verschlüsselung gegen neugierige Augen
Der E-Mail-Service Tuta Mail* der deutschen Tutao GmbH aus Hannover verspricht âSecurity firstâ und bietet eine hochwertige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für das E-Mail-Konto samt Kalender und Kontakten. Möglich wird das durch eine modifizierte PGP-Implementierung, die auf den Verschlüsselungsstandards AES 256 und ECC x25519 basiert. Der Anbieter bewirbt das mit âPost-Quanten-Verschlüsselungâ, da er die klassischen Algorithmen mit dem quantenresistenten Algorithmus Kyber kombiniert: Eine Verschlüsselung, die auch gegen (kommende) Quantencomputer immun sein soll.
Die Oberfläche ist aufgeräumt und zugänglich.
(Bild:Â Screenshot)
Natürlich lässt sich PGP grundsätzlich auch bei anderen E-Mail-Diensten verwenden. Allerdings mit zwei groÃen Haken: Die Bedienung ist alles andere als einfach, und die Postfächer an sich bleiben unverschlüsselt, auch wenn die Nachrichten mit PGP geschützt sind. Dadurch können mögliche Angreifer (oder Ermittlungsbehörden) prinzipiell sehen, dass E-Mail-Verkehr mit bestimmten Personen stattgefunden hat.
Tuta Mail verhindert das, indem es die E-Mail-Postfächer ebenfalls Ende-zu-Ende verschlüsselt. Dadurch sind die Postfächer nicht mehr für den Anbieter selbst â und damit auch nicht für Werbekunden oder Ermittlungsbehörden â einsehbar.
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Tuta Mail: Bedienung wie bei einem ganz normalen Webmail-Service
Durch das clevere Verschlüsselungskonzept von Tuta führt nur noch ein Weg ins Postfach: Benutzername und Passwort. Dementsprechend sollten Nutzer ihr Passwort zu dem Dienst möglichst sicher gestalten, um einen Brute-Force-Angriff von vornherein zu unterbinden.
Zusätzlich unterstützt Tuta Mail 2-Faktor-Authentifizierung über den U2F-Standard (mit einem USB-Stick) oder über eine Authentifikator-App. Dadurch lässt sich das Konto zusätzlich gegen Keylogger und Spyware absichern und der ganze E-Mail-Verkehr in eine Festung verwandeln.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geht oft mit EinbuÃen beim Komfort einher. Tuta Mail umgeht das Problem mit seinen offiziellen Apps und im Web-Interface jedoch geschickt. Es ist keine lästige Extra-Software oder Schlüsselverwaltung wie bei PGP nötig. Nach dem Login präsentiert sich Tuta Mail stattdessen mit einer aufgeräumten Bedien-Oberfläche, wie man sie von den groÃen und kleinen Gratis-Anbietern kennt. Die Einstiegshürde für E-Mail-Vollverschlüsselung ist also gering.
E-Mails verschlüsseln: Ein Kinderspiel
Die E-Mail-Verschlüsselung ist der Kern von Tuta Mail. Schickt ein Tuta-Mail-Nutzer eine E-Mail an einen anderen Tuta-Mail-Anwender, wird die Nachricht automatisch verschlüsselt und entschlüsselt. Benutzer bekommen davon gar nichts mit, da die Nachricht innerhalb des Tuta Mail-Systems bleibt.
E-Mails an fremde Mailadressen können per Passwort geschützt werden. Mails innerhalb von Tuta werden ohnehin verschlüsselt.
(Bild:Â Screenshot)
Interessant wird es, wenn die Zieladresse bei einem beliebigen anderen E-Mail-Provider liegt, etwa einem der bekannten Freemail-Anbieter. Denn wer hier bislang mit PGP herumhantiert hat, findet bei Tuta Mail eine deutlich bessere Lösung: Beim Versand kann ein Passwort für die Zieladresse festgelegt werden, das man persönlich, telefonisch oder über einen sicheren Kommunikationsweg an den Empfänger übermittelt.
Statt der Nachricht selbst erhält der Empfänger nur eine Benachrichtigung, dass er eine verschlüsselte Mail erhalten hat. Diese kann er anschlieÃend per Klick auf einen Link direkt auf der Tuta Mail-Website öffnen. Ein Konzept, das man zum Beispiel auch von Proton Mail (Test) kennt.
Erhält ein Nutzer eine verschlüsselte Nachricht, wird er auf das Web-Interface verwiesen.
(Bild:Â Screenshot)
Der Clou: Tuta Mail legt für jede Zieladresse ein kleines Postfach mit Webmail-Funktion an. Die Kommunikation kann dadurch anschlieÃend komplett verschlüsselt erfolgen, ohne dass weitere Passwörter oder Ãhnliches ausgetauscht werden müssen. Dadurch ergibt sich im Prinzip ein verschlüsselter Mailkontakt mit jeder beliebigen E-Mail-Adresse. Ãbrigens kann man die ganze Konversation jederzeit mit einem neuen Passwort versehen. Die Option ist leider ein wenig versteckt in der âKontakteâ-Funktion.
Tuta legt für jeden geschützten Empfänger einen Mini-Account an. So kann die ganze Konversation im verschlüsselten Rahmen stattfinden.
(Bild:Â Screenshot)
Und umgekehrt? Wenn eine unverschlüsselte E-Mail im Tuta-Posteingang landet, ist sie bei Tuta Mail natürlich ebenfalls durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Der Weg zu Tuta wiederum ist offen für alle Nachrichten, auch die unverschlüsselten. An dieser Stelle lieÃe sich theoretisch zumindest der eingehende E-Mail-Verkehr âabhörenâ â aber das ist eine notwendige Einschränkung, wenn man E-Mails von allen Anbietern empfangen können möchte.
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Leistungsfähige Verwaltung von Mails und Ordnern
Natürlich haben Benutzer Kontrolle darüber, was im Posteingang landet: Zum einen hat Tuta Mail einen sehr leistungsstarken Spamfilter, zum anderen gibt es die Möglichkeit, Absender zu blockieren und Nachrichten mit sogenannten Labels zu sortieren.
Schön ist die Möglichkeit, innerhalb der Standard-Ordner wie âPosteingangâ, âEntwürfeâ oder âGesendetâ weitere Unterordner zu erstellen. Dort lassen sich E-Mails wahlweise per Hand oder automatisiert über Mail-Regeln ablegen. So bleibt das Postfach jederzeit geordnet. Spam und Phishing-Versuche können, so sie nicht automatisch im Spam-Ordner landen, beim Anbieter gemeldet werden.
Praktisch ist auch die Rückruf-Funktion per Sendeverzögerung: Mails können zehn Sekunden lang âzurückgepfiffenâ werden.
Viel Service für kleines Geld
Mit an Bord ist bei Tuta Mail auch eine Kontakte- und eine Kalender-Funktion. Deren Verwendung ist identisch mit bekannten Tools, auch wenn die Weboberfläche bei Tuta Mail ein wenig altbacken wirkt. Kontakte und Termine können hier umfangreich und sicher abgelegt werden.
Zusätzlich wird es in Zukunft einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Cloud-Speicher beim Anbieter geben. Dieser wird derzeit über eine geschlossene Betaphase getestet und âin einigen Monatenâ an die Kunden ausgerollt. Der Speicher ist Teil des Tuta-Gesamtpakets und nutzt den jeweiligen Speicherplatz des Tarifs; testen konnten wir die Funktion nicht.
Insgesamt ergibt Tuta Mail ein sehr gutes Gesamtpaket gegenüber Freemail-Diensten â und ist dabei nicht teuer: Für Einsteiger gibt es ein Gratis-Postfach mit einem Gigabyte Speicher und Basisfunktionen. Wer mehr benötigt, findet beim Anbieter attraktive Tarife von âRevolutionaryâ mit 20 GB ab drei Euro im Monat bis zu Business-Tarifen mit einem Maximalspeicher von 500 Gigabyte samt 15 bis 30 E-Mail-Aliasen. Weiterer Speicher lässt sich separat hinzubuchen.
Bereits ab dem Tarif âRevolutionaryâ können Nutzer bis zu drei eigene Domains einpflegen und Tuta Mail als E-Mail-Dienst bspw. mit dem eigenen Namen als Domain nutzen. Mit der eigenen Domain lassen sich dann auch unbegrenzt Alias-Adressen hinzufügen. Zusätzliche Postfächer gibt es zwar über die Familien-Option, diese können aber nicht den Speicher teilen, sondern enthalten den jeweils vollwertigen Tarif samt der zugehörigen Funktionen und Kosten.
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Kein IMAP, kein POP3, dafür eine App
Wie andere vollverschlüsselnde Anbieter hat auch Tuta Mail ein Problem, wenn man Mailclients wie Outlook oder gängige Protokollstandards wie POP3 und IMAP verwenden möchte. Damit User dennoch nicht auf das Web-Interface angewiesen sind und Mitteilungen über neue Nachrichten, Push-Benachrichtigungen, E-Mail-Import oder der Austausch mit dem System zuverlässig funktionieren, stellt der Anbieter dedizierte Apps zur Verfügung. Es gibt Desktop-Apps* für viele gängige Linux-Versionen, macOS und Windows sowie Mobil-Apps* für Android und iOS.
Die Tuta-App ist im Kern nicht anders als das Web-Interface, bietet aber Schnittstellen zum jeweiligen System, die die Bedienung erleichtern. So lässt sich Tuta Mail über die App etwa als Standardadresse für den Mailversand einrichten. Zudem gibt es auch eine Tuta-Kalender-App für Android und iOS. Diese bringt die notwendigen Schnittstellen mit, um auf Mobilsystemen bei der Terminplanung zu helfen und bei Bedarf zu erinnern. Im Test arbeiteten alle Apps reibungslos.
Tuta Mail im Mailclient dank Thunderbird-Add-on
Wer Thunderbird nutzt, kann dort Tuta Mail und Tuta Calendar mithilfe eines Thunderbird-Add-ons* auf dem PC, Mac oder unter Linux einrichten. Möglich wird das durch Thunderbirds technische Nähe zum Firefox-Browser: Die App besitzt auch Browser-Funktionen, und das Add-on nutzt diese samt den Systemschnittstellen von Thunderbird, um das Nutzererlebnis attraktiver zu gestalten. Auch dieses Add-on lief im Test reibungslos.
Fazit: Sicherer E-Mail-Dienst aus Deutschland mit fairen Preisen
Insgesamt präsentiert sich Tuta Mail* als interessante und vor allem sichere Alternative zu den gängigen Freemail-Diensten. Das Einsteiger-Postfach mit einem Gigabyte Speicher ist kostenlos erhältlich, die Bedienung kinderleicht. Der Einstieg in voll verschlüsselte Mails gelingt damit sehr niedrigschwellig.
Auch überzeugt Tuta Mail mit cleverer Einbindung von Drittanbieter-Adressen für die verschlüsselte Kommunikation. Umsteiger können sich an der fehlenden POP3/IMAP-Unterstützung stören, die jedoch durch die Verschlüsselung vorgegeben ist und gut durch die Tuta-App abgefangen wird.
Funktional ist Tuta Mail mit Kalender, Adressbuch und der kommenden Cloud auf dem Niveau der Mitbewerber: Es gibt alle wichtigen E-Mail-Funktionen, auf KI-Beigaben verzichtet der Anbieter. Wer zusätzlichen Speicher, Aliase oder weitere Funktionen braucht, kann jederzeit auf einen der Bezahltarife ausweichen: Die sind angemessen eingepreist, nicht mit langen Abos verbunden und lohnen sich für jeden, der bei seinen E-Mails Wert auf Datenschutz legt.
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